Letzte Hilfe

Seite 2 Seite 4

Erst gestern hatte sie sich im Bad auf den Boden gesetzt, die Beine im Schneidersitz gespreizt, so wie vor über dreißig Jahren, als ihr Vater (dieser elende Drecksack) ihr einen Spiegel in die Hand gedrückt hatte, um ihr die Sache mit den Jungs zu erklären. Nur dass sie heute allein auf den Fliesen saß und nicht ihr Jungfernhäutchen, sondern die feuerrot gescheuerten Flecken rund um ihren Schambereich studierte.

Trocken, spröde, brüchig, wund.

Es hatte genauso ausgesehen, wie es sich anfühlte, und wie immer hatte sie nicht wiederstehen können. Sie war aufgestanden, hatte das zu einem Seil gewickelte Handtuch an seinen Enden gepackt und mit den sägeartigen Bewegungen zwischen ihren Beinen begonnen. Hin. Her. Vor. Zurück. Erst langsam, dann, wie eine anfahrende Lokomotive, schneller und schneller. Das Scheuern, Ziehen und Kratzen des groben Stoffes hatte sie erschauern lassen. Eine trügerische, berauschende Wohltat; wie Drogen, die die Qualen der Gegenwart ausschalten, so lange, bis die Wirkung nachlässt und die unvermeidlichen Entzugsschmerzen dem Kreisel des Teufels weiteren Schwung geben.

Ich kann nicht mehr.

Sie saß im Dunkeln vor ihrem Computer, zählte die Klingeltöne und dachte darüber nach, wie oft sie diesen Satz schon gedacht, gefühlt und geschrien hatte.